Der soziale Hintergrund der Kriminalität (2/4)

Bevor man direkt auf die Umstände des Kindes eingeht sollte man sich erst mal Gedanken darüber machen in welchen Umständen die Eltern sich befinden. Man kann jetzt verschiedene Ansätze verfolgen: einerseits kann man davon ausgehen, dass viele Eltern teils arbeitslos sind oder schlecht bezahlte Jobs haben und ihrem Kind kaum den Komfort bieten können, den es vielleicht gerne hätte. Ein weiterer Punkt wäre dass wir es mit einem alleinerziehenden Elternteil zu tun haben, der vielleicht sogar noch arbeitslos ist.

erziehungslos | © Konstantin Gastmann / PIXELIO

Menschen sind wie Atomreaktoren. Werden sie von Anfang nicht richtig gebaut oder gepflegt sind sie fehlerhaft. Sollte man dann noch die Überwachung vernachlässigen – kommt es zum Super-Gau.

Weitere Punkte an denen man ansetzten könnte ist, dass die Eltern zu jung ihr Kind bekommen haben und demnach selbst noch Kinder sind.
In jeden Fall wirken diese Situationen sich auf die Erziehung und die seelische Reifung des Kindes aus. Da fast jedes siebentes Kind in Deutschland von nur einem Elternteil erzogen wird und eine Arbeitslosenrate von etwas mehr als 8% zurzeit in Deutschland herrscht werde ich dies zu meiner Grundsituation der Erläuterung machen.
Das Kind wächst also in einer Situation auf in denen sowohl das Geld als auch ein Erziehungspartner fehlen. Sei es nun der Vater oder Mutter werde ich nicht differenzieren, obwohl es vielerlei Erläuterungen gibt welches Elternteil welche Rolle bei der Erziehung spielt. Die Situation verschärft sich noch, sollte das Kind ältere oder gar jüngere Geschwister haben. Denn dann ist die vermeintlich zu gegebene Aufmerksamkeit sogar nur noch zu einem Viertel vorhanden. Wobei dass von Familie zu Familie natürlich unterschiedlich ist – meistens übernehmen dann die Großeltern oder enge Freunde einen Part in der Aufmerksamkeitskette.
Aber die Bedingungen in Deutschland sind schlecht für ein aufwachsendes Kind: Die Kindertagesstättenplätze wurden zwar deutlich erhöht aber über die Qualität dieser Plätze lässt sich im allgemeinen Streiten. Wenn die Mutter/Vater arbeitslos ist, darf es auch nur eine gewisse Zeit in der Kindertagesstätte bleiben. Somit kann man davon ausgehen, dass es weniger soziales Fingerspitzengefühl erhält, da es quasi immer zwischen seinem Heim und dem seiner Kindergruppe hin und her gereicht wird. In manchen Fällen stärker in anderen schwächer jedoch will ich nicht davon ausgehen, dass es gesund ist für ein Kleinkind nur stets zu Hause bei seiner Familie zu sein und keinen oder kaum Kontakt zu anderen Kindern zu haben. Diese Komponente würde ich sogar als entscheidend für bestimmte Mitläufertypen definieren, da sie dadurch mehr um das Gefallen anderer wetteifern, weil sie es in den jüngeren Tagen verpasst haben. Das ist natürlich keine ultimative Prognose sondern vielmehr eine Annahme meinerseits.
In der Grundschule suchen viele Kinder nach einem Orientierungspunkt, wenn er wie zu Hause nicht gegeben ist. Denn seine Mutter ist Harz IV Empfängerin, sie trinkt vielleicht und kommt aus dem Zog nicht heraus. Sie ist ohne Perspektive und vielleicht sogar depressiv weil sie zu früh Kinder bekommen hat oder ihr Freund sie verlassen hat. Das ist keine Seltenheit aber auch nicht die Regel der Fälle. Sollte dies der Fall sein wird das Kind aufgrund der Fehlenden Liebe oder Aufmerksamkeit in der Schule mehr stören und auf sich aufmerksam machen. Es wird zum Klassenclown oder der beste Freund des Klassenclowns. Das Kind verliert Interesse an dem Lernstoff und konzentriert sich mehr und mehr um die Gönnerschaft seiner Klassenkameraden. Es ist nicht mehr Teil des Unterrichts und fängt vielleicht sogar an den Lehrer nicht mehr zu respektieren. Was auch nicht verwunderlich ist, da die Lehrer heute kaum noch Druckmittel auf die Schüler haben außer Einträge oder schlechte Noten. Schnell merkt das Kind dass es keine Angst vor dem Lehrer zu haben braucht, da die Elternteile sich immer wieder entschuldigen. Wie die Strafe der Eltern ausfällt kann auch einen großen Einfluss auf die Entwicklung haben: wird es geschlagen wird es irgendwo seine Angst und Wut an anderen Kindern auslassen. Sollte es den Eltern oder Elternteil egal sein, dann wird es früher oder später den Respekt vor seinen Eltern verlieren und unkontrollierbar werden. Was soll man nun tun? Darauf weiß ich keine Antwort – Kindererziehung ist ein heikles Thema in dem ich ungern Ratschläge geben würde.

Da die Bildung in Deutschland sehr vom Geld abhängt, wird das Kind wahrscheinlich auf eine Haupt- oder Realschule gehen. Einige schaffen den Weg in das Gymnasium, jedoch viele scheitern an der Leistungsgrenze spätestens in den ersten zwei Schuljahren und werden auf eine andere Schule geschickt. Selten schaffen Kinder aus einem schweren Familienumfeld, das sie seit frühsten Kindheit im Stich lässt, den Schritt aus dem Teufelskreis Hartz IV.
Auf der nächsten Schule geht das Spiel weiter. Der Jugendliche sucht nach einer ihm gönnerhaften Gruppe und das Spiel vom Klassenclown geht in die zweite Runde. Viele kennen die Verhältnisse auf bestimmten Schulen und ich will niemanden hier zu nahe treten. Die Lehrer sind überfordert mit den Anhäufung von Problemkindern und können sie gar nicht unter Kontrolle bekommen. Die Jugendlichen spornen sich gegenseitig immer mehr an und sehen die Schule nur noch als Treffpunkt oder Pflicht vom Elternhaus an. Nun ist es definitiv wichtig zu differenzieren zwischen den wirklichen Anführer und Mitläufern einer jugendlichen Gruppe aus sogenannten „Halbstarken“. Die Anführer leiten bestimmte Prozesse ein und die Mitläufer führen diese aus oder spornen den Anführer dazu ein. Jetzt greift auch das bekannte Gruppenzwangsprinzip was sich hier in die Unendlichkeit ziehen kann. Jemand macht einen Vorschlag und fragt „traust du dich das?“ Dieser ist nun entweder als Anführer oder Mitläufer unter extremem Druck. Einerseits will er sein Ansehen nicht verlieren, jedoch ist in ihm auch eine gewisse Moralgrenze und Hemmschwelle vorhanden. Diese ist bei jedem Menschen vorhanden, selbst ohne Erziehung gibt es solche Grenzen die man „ungern“ überschreitet. Aufgrund des Gruppenzwangs und des Prinzip des Beweisens und der oben beschriebene Schrei nach Aufmerksamkeit lassen die kleine Stimme im Hinterkopf irgendwann immer weiter verstummen und irgendwann vielleicht sogar verschwinden. Das Produkt sind psychisch gestörte Jugendliche, die extrem schnelle Reizbar sind.

Warum?

Ich für meinen Teil erkläre mir die Reizbarkeit durch das „Revier“ in der Gruppe. Sollte jemand von außerhalb der Gruppe, die Gruppe angreifen oder versuchen ihm die Position in der Gruppe streitig zu machen, fühlt der Jugendliche sich bedroht oder sogar angegriffen. Wie man diese vermeintlichen Angriffe auslegt, ist abhängig von dem schon vorhandenen Wutpotenzial, ausgelöst durch zum Beispiel ungerechte Behandlung oder Bestrafung der Eltern, Neid oder sonstige Gründe. Ein geladener Jugendlicher kann selbst sogar die Bitte eines alten Mannes seine Handymusik leiser zu machen vor seinen Freunden als Angriff deuten. Wenn er es leiser macht ist er „schwach“ und konnte sich nicht beweisen. Wenn er nun einen solchen Angriff erfährt muss er darauf reagieren, je nach Wutpotenzial kann es immer anders aussehen:

>Das folgende ist nur eine Vermutung so wie alles bereits oben erwähnte und ich gehe dabei auf empirische Daten verschiedener Personen zurück<

In erster Linie wird der Jugendliche mit Beschimpfungen und oder sogar Bedrohungen antworten. Als zweitens wird er immer wieder versuchen die Gruppe gegen den Angreifer auf zu hetzen und sich selbst immer weiter zu bestärken d.h. Sich selbst als „King“ darzustellen und den Angreifer als sogenanntes „Opfer“. Sollte der Angreifer weiter verbal gegen die Gruppe oder gegen unseren Jugendlichen rebellieren so wird er weiter sich selbst pushen und immer mehr Drohungen aus stoßen bis eine bestimmte Grenze erreicht ist. Wenn diese Grenze erreicht ist wird er auf die Gewalt zurückgreifen – sein letztes Argument zur Verteidigung innerhalb der Gruppe oder seines Ansehens oder in manchen Fällen der „Ehre“.
Es kommt darauf an wie hoch das Wutpotenzial oder Gewaltpotenzial ist und wie stark der Angriff sich gegen den Jugendlichen verhält; sollte beides hoch sein so werden meistens die Phasen kürzer oder es wird sogar gleich auf die Gewalt zurückgegriffen.

Ein Gastbeitrag von Daniel Rodich

1 Kommentar bisher »

  1. Anzeigen

    am 21. Mai 2011 @ 13:06

  2. Drogenkonsum als Auslöser der Gewalt (3/4) » She-Sign.com sagt

    am 4. Juni 2010 @ 15:23

    [...] schert. Doch warum greifen die Jugendlichen zur Flasche? Viele Jugendlichen wachsen, wie bereits in Part II beschrieben, in zerrütteten Verhältnissen auf. Meistens trinken die Eltern [...]

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