Time to say goodbye! ADA Dessau

Vor genau einer Woche habe ich meinen Zivildienst an der Anhaltischen Diakonissenanstalt, genauer gesagt im Diakonissenkrankenhaus in Dessau, beendet. Die Zeit verging einfach wieder so schnell und ich schaue jetzt auf eine lustige, anstrengende und lehrreiche Zeit zurück.

Das DKD Dessau und der HUB

Eingesetzt wurde ich im Hol- und Bringedienst des Krankenhauses, der auch kurz HuB genannt wird. Als fester Bestandteil des Serviceteams stand vorallem die Ver- und Entsorgung des Krankenhaus im Zentrum meiner Arbeit. Das ganze klingt harmloser als es eigentlich ist. Vorallem die Entsorgung schloss täglich bis zu 600kg Müll und ein Haufen Pappe ein. Dabei war es nicht selten, dass auch mal Ausscheidungsstoffe aus den Müllsäcken heruastraten. Aber was macht man nicht alles, wenn man dazu verpflichtet ist ;-) . Viel schöner war die Versorgung des Krankenhauses aber auch nicht. Hier gab es Tage, die eher an Urlaub erinnerten und solche, die sich wie die Hölle anfühlten. Der Versorungsbereich teilte sich in Lagerarbeit, Sterilisationsarbeit und dem allseitig gehassten HuB-Telefon. Warum gehasst? Von den Zivis, weil es täglichen Stress und viel Laufarbeit bedeutete und von den Schwestern & Ärzten, weil sie durch die so unglaublich langsamen und faulen Zivis immer ewig auf die in Auftrag gegebene Arbeit warten mussten. Kurz gefasst: Mit dem HuB-Telefon war man das Mädchen für alles und durfte von Akten bis zur Zeitung alles hin und her tragen. Das Anspruchsvollste an dieser Arbeit war eindeutig die Liste der angefallenen Arbeit im Kopf zu behalten, da nicht eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen waren sondern das Telefon auch mal nach einer halben Stunde pause 10malig hintereinander klingelte. Echter Horror, der einfach nicht genug gewürdigt wurde! Mit dem Sterilisationstelefon sah der Tag schon etwas chilliger aus. Man musste lediglich die gefühlten 100.000 Schmutzwagen nach jeder Operation zum Sterilisieren bringen und wieder zurückfahren. Die nebenbei anfallenden Aufgaben wie das tragen von OP-Schuhen und anderem Equipment gingen da schon etwas unter. Die Lagerarbeit aber war das wohl erholsamste, was es im Servicebereich des Krankenhauses gab – Zumindest, wenn nicht der komplette Bereich im Urlaub war ;-) Denn dann saß man auch mal mit 4 Zivis und 2 Festangestellten in den Räumen und konnte sich die Arbeit prima teilen. Im Grunde musste hier auch nur das Krankenhaus mit allen möglichen Sachen wie Binden, Windeln und Pflastern versorgt werden. Viel Arbeit, die sich sehr gut bewältigen lies. Deshalb wollte natürlich jeder Service-Zivi ins Lager, doch mussten auch die beiden Telefone täglich besetzt sein. Also wechselte man immer durch und jeder kam mal in die Hölle und wieder in den Himmel ;-)

Viel Pause und noch mehr Arbeit

Wie jeder weiß sind Zivildienstleistende ja sehr faule Arbeiter. Ob das nun daran liegt, dass sie so wenig Geld verdienen und mit 300 Euro echte Billigarbeiter sind oder daran, dass man im Freundeskreis selten von Arbeit und mehr von den Pausen erzählt ist fragwürdig. Zumindest ich stellte vor meiner Familie und meinen Kumpels nur selten das Arbeitsleben dar. Viel lustiger waren da doch die Berichte von explodierenden Kompressen und brennden Mülleimern. Natürlich wussten auch viele, dass der HuB jeweils eine Stunde Frühstück und Mittagspause machte. So kamen dann auch die Gerüchte auf, dass wir ja kaum Arbeiten. Völliger Schwachsinn, den aber jeder im Krankenhaus Glauben schenkte. Nur wenn man mal nicht zur Stelle war und oder eine Aufgabe nicht übernehmen konnte war das Geschrei groß. Dann hieß es aber auch nicht, was würden wir nur ohne den HuB tun, sondern viel mehr “kaum was zu tun und wieder nicht da wenn man ihn mal braucht. Blöde Zivis!” Zusammenfassend lässt sich hier sagen, dass die Arbeit nur dann ein Zuckerschlecken war, wenn die vollbesetzte Mannschaft bestehend aus 8 Zivildienstleistenden im Hol- und Bringedienst verfügbar war. Andernfalls kann man es schon mit harter und erschöpfender Arbeit vergleichen. Ich glaube sogar von einem Kollegengehört zu haben, dass sein Schrittzähler über 40.000 Schritte an einem Tag mit dem HuB-Telefon gezählt haben soll….

Die neue Bedeutung von “Dringend”

Egal wo man nun arbeitete. An allen 3 Telefonen kamen ständig Anrufe herein, bei denen jemand etwas ganz ganz dringen haben wollte. Bei Blutkonserven für den OP oder Cito-Blutproben kann ich dies ja noch verstehen. Doch waren auch dringende Akten für das archivieren nicht selten. Es wäre ja grauenhaft, wenn diese schon vor dem Archiv staub fangen würden. Also mussten sie natürlich innerhalb weniger Minuten in den Keller gebracht werden. Das Serviceteam der Küche setzte hier noch einen drauf. Täglich wurden auf den Stationen über Shuttlewagen, die vorher in der Küche befüllt wurden, das Essen für die Patienten ausgeteilt. Jeder Tag ist anders und deshalb lernte es das Team auch nicht, einfach mal besser zu kalkulieren. Warum auch? Man hatte ja den so wenig beschäftigten Hol- und Bringedienst, der alle 5min mal 3 Brötchen hinterher tragen durfte. Auch zum Mittag wurde halt mal die komplette Nachspeise vergessen. Kein Problem! Der HuB trug es ja gerne bis auf die 5. Etage um sich dann noch vollmeckern zu lassen, warum man denn mehr als 6min dafür gebraucht hat. Dringendes Essen sollte meines Erachtens im Shuttlewagen drin sein. Da solche Geschichten auch täglich passierten, konnte von einem Versehen bei der Bestückung der Wagen ja keine Rede mehr sein….

Der Zivilehrgang in Braunschweig

Natürlich gab es im Zivileben auch positive Erlebnisse. Neben denen, die auf Arbeit passierten, gehörte auch der vorgeschriebene Lehrgang in Braunschweig zu einem dieser Erlebnisse. Angekommen musste man sich hier für eine Woche in einen Kurs einschreiben. Passend für meine Studienpläne gab es hier das wohl interessanteste Thema Medienmanipulation. Zusammen mit netten Leuten verbrachte ich dann die komplette Woche in Braunschweig. Betrunken war ich dabei eigentlich nur einmal….. aber dafür richtig stark. Ich würde jetzt erzählen, was ich in dieser Situation alles so schönes im Nachtleben der schönen Stadt gemacht hab, aber ich weiß es nicht mehr :-) Auf jeden fall Fall war ich froh, mit meinem besten Kumpel Max nach Braunschweig gefahren zu sein. Obwohl das Bundesamt für den Zivildienst darauf achtet, dass nur selten Freunde gemeinsam fahren, konnten wir es mit einem kleinen Trick überlisten. Dieser bleibt natürlich geheim :-P

Zusammenarbeit mit berühmten Personen

Eines muss ich zum Ende noch los werden. Fast täglich sah ich eine Person, die mir so unglaublich bekannt vorkam. Jedoch wusste ich einfach nicht, woher ich sie kannte. Jeden Tag aufs neue grübelte und grübelte ich. Doch dann war es soweit. Nachdem ich das Video von Silbermond mit Curse gesehen hatte war mir alles wieder klar. Ich arbeitete mit einem der berühmtesten Rapper Deutschlands zusammen. Neben seiner HipHop-Karriere war der nette Herr Curse also noch Oberarzt für Chirurgie am Diakonissenkranenhaus in Dessau. Sehr Geil ;-)

curse oberarzt mueller

Der letzte Tag

Dienstag sollte es dann so sein, mein letzter Tag als Zivildienstleistender im Diakonissenkrankenhaus Dessau brach heran. Da ich die Arbeit ja nicht scheue und meiner Meinung nach keiner von den faulen Zivis war, nahm ich natürlich freiwillig nocheinmal das HuB-Telefon und den damit verbundenen Stress auf mich. Genau so sollte es dann auch sein! Vorallem durch schlechtes Kalkulieren der Küche durfte ich während der Frühstückszeit jede 10 Minuten ein paar Brötchen zu den Ärzten und dem Essenspersonal auf die Stationen tragen. Somit verfiel praktisch meine letzte Frühstückspause im Dienst und ich durfte nahezu durcharbeiten. Ohne Dank natürlich ;-) Dannach verlief alles recht normal und ich freute mich schon auf das von mir und meinem Kollegen Daniel gesponsorte Mittagessen. Denn da sollte es Pizza für jeden Mitarbeiter des Service-Teams geben. Auf dem Bild ist zumindest der Hol- und Bringedienst zu sehen… Auch hier durfte ich desöfteren aufstehen und immer wieder Aufgaben für das Krankenhaus erledigen. Ich beklagte mich nicht sonderlich darüber, da es sich ja um meinen letzten Arbeitstag handelte und ich nun erstmal 6 Monate Zeit für mich und die Suchmaschinenoptimierung habe. Wobei wir auch schon bei meinen Zukunftsplänen wären. Denn nach den 6 Monaten Urlaub hoffe ich mich über eine Immatrikulation zum Studiengang Medienwissenschaften bei den Unis Dresden, Leipzig, Ilmenau oder Halle freuen zu dürfen.

Nun würde ich gerne noch wissen:
Was habt ihr gemacht? Bund oder Zivi?
Wie waren eure Erfahrungen im Zivildienst? Wurdet ihr auch häufig als faul hingestellt?
Was habt ihr so gearbeitet?

12 Kommentare

  1. Anzeigen

    am 21. Mai 2011 @ 13:06

  2. Major SEO sagt

    am 7. April 2009 @ 18:05

    lol. das mit curse ist echt lustig.

    ich wurde zum glück ausgemustert. mit meinem rücken war ich wohl kein wirklicher mehrwert für deutschland xD

  3. Dominik sagt

    am 7. April 2009 @ 19:20

    ich war Krankenwagen-Beifahrer…war echt lustig gewesen. aber die Arbeitszeiten von bis zu 14 Tagen am Stück waren echt das Letzte.

  4. Wingerter sagt

    am 8. April 2009 @ 0:55

    Hervorragend :D Habe lange nicht mehr so viel grinsen müssen. Vielleicht nimmst Du Dir jetzt die Zeit und schreibst einen kleinen Roman über Deine Eindrücke. Prima Artikel ^^

    Medienwissenschaften könntest Du auch toll in Wien studieren. Eine Freundin macht nämlich genau dort genau das. :)

    Ich wurde zum Zivildienst ausgemustert und hätte gerne etwas in einer Behindertenwerkstätte gemacht. Aber letztendlich wurde ich nie herangezogen und bin nun zu alt. Dafür bin ich jetzt privat in einem Verein für Kinderkunst und darf ab und zu Workshops geben.

  5. Yannick sagt

    am 8. April 2009 @ 10:01

    Ich hoffe, das ich ausgemustert werde :)

  6. Daniel sagt

    am 8. April 2009 @ 16:24

    Schöner Beitrag! Man muss erwähnen, dass die Zivi Zeit an sich ganz lustig war! Wir hatten viel Spaß zusammen in unserem Team, das ging über Ach Moe, über P. Valium, Master Olaf und nunja unseren Dauerarbeiter am HuB aka Thilo :D . Nunja das mit dem brennenden Mülleimer musste ja kommen, ich dachte du schreibst noch, dass ich vergessen hatte ihn zu löschen und einfach dran vorbeigegangen bin ;) . War auf jeden Fall eine richtig geile Zeit nach unserer Schulzeit :P und ich denke jeder ob nun Bund oder Zivi genießt seine bezahlte Zeit auch ein wenig so wie du oder ich es gemacht haben ! Viele Grüße aus der ADA und von Station 4 :)

  7. Sven sagt

    am 10. April 2009 @ 13:42

    klasse artikel :)

    toll geschrieben und spiegelt auch meine meinung wieder … war ne tolle zeit :)

  8. Alex sagt

    am 10. April 2009 @ 14:29

    danke ;)
    wir könn ja mal wieder sushi essen gehen alle zusammen :)

  9. Moe sagt

    am 12. April 2009 @ 14:03

    Nice Artikel Alex haste echt super gemacht!

    Kann mich Daniel und Sven nur anschließen war echt ne lustige Zeit wir hatten tolle Momente aber auch echt stressige.

    Werd die Zeit mit euch vermissen ;)

    PS: bin sehr dafür das wir den alten Japsen mal wieder besuchen und diesmnal wird nich abgesagt =)

  10. Detlef sagt

    am 15. April 2009 @ 21:11

    Ich habe es nicht so mit dem Zivildienst gehabt. Ich habe das Los des Soldaten auf mich genommen. 1095 Tage lang. Ging auch vorbei und danach habe ich dann studiert und etwas später geheiratet – dann kamen die Kinder und einer von denen hat sich doch zum Zivildienst in der Diakonissenanstalt gemeldet…. wie das Leben so spielt…..

  11. Basti sagt

    am 7. Mai 2009 @ 20:28

    Also echt, toller Artikel.
    Und allgemein ist die Seite hervorragend aufgebaut.

    Sehr nette Themen werden hier in kleinsten Teilen auseinander genommen.

    Ich habe mich noch nie mit Google Chrome beschäftigt, jedoch nach diesen Beiträgen komme ich da wohl nicht mehr herum.

    Also auf jeden Fall weiter so.

    Und viel Erfolg bei deinem Studium das du hoffentlich bald antreten darfst.

    Mfg

  12. Frashier sagt

    am 17. Juni 2009 @ 0:29

    Da erkenne ich sogar alte Bekannte auf den Bildern, habe auch den Job als HUB dort gemacht. Man das ist schon ein paar Jahre her.

  13. 2009 – Ein Rückblick auf das Jahr als SEO » She-Sign.de sagt

    am 17. Dezember 2009 @ 21:39

    [...] bin kein Zivi mehr. Ich Studiere und darf mich den Vorzügen des Bachelors of Engineering hingeben. Aber dazu [...]