Wahlpflicht? Doch lieber nicht!
Die Wahlbeteiligung am Sonntag zur Europawahl erreichte in vielen Gemeinden und Städten einen neuen Tiefststand. So suchten in meiner Heimatstadt Dessau-Roßlau nur noch knapp 25% der Wahlberechtigten ein so genanntes Wahllokal heim. Angesichts solcher Wahlbeteiligung wirft die SPD nun zum ersten mal das Thema Wahlpflicht in die Runde.
Was bedeutet Wahlpflicht?
Der SPD-Politiker Jörn Thiessen fordert für Deutschland eine Wahlpflicht mit Bußgeld bei Verstoß. Das bedeutet, dass jeder potentielle Wähler, der kein Wahllokal am besagtem Tag besucht, eine Geldbuße zahlen muss. Natürlich nennt der Bundestagsabgeordnete Thiessen gleich einen Bußgeldbetrag. Dieser soll nach seiner Aussage 50 Euro betragen.
Sollte es wirklich eine Wahlpflicht geben?
Diese Frage ist eindeutig mit nein zu beantworten. Das Pro- und Contraspiel möchte ich an dieser Stelle einfach mal dahingestellt lassen. Jeder kann innerhalb weniger Minuten Unmengen an Stichpunkten für beide Seiten aufstellen. Ich sage einfach, dass nur wählen soll, wer auch wählen will! Wer sich nicht mit Politik beschäftigt und keinerlei Ahnung von den Wahlprogrammen der Partein hat, sollte sein Kreuz auch lieber auf anderen Zetteln machen. Wenn ich Sprüche höre wie: “Ich wähle die Biertrinkerpartei, weil es dann eine Freibier-Party gibt”, könnte ich ausrasten. Was bringt diese wunderbare Freibier-Party denn für die kommenden 4 Jahre. Solche Personen gehören für mich eigentlich aus dem deutsch-politischem System verbannt. (sofern sie es wirklich ernst meinen)
Wie könnte man einfacher die Wahlbeteiligung erhöhen?
Die Politik muss einen Schritt auf die Bevölkerung zugehen. Mehr Wahlwerbespots mit mehr Inhalt zu den aktuellen Wahlprogrammen. Außerdem müssen alle Gruppen der Wähler abgedeckt werden. Viele junge Leute sind immernoch der Meinung, dass die Regierung in Berlin doch nichts tut außer Wahlversprechen zu brechen. Gegen dieses Image muss die Regierung an erster Stelle was unternehmen um wieder mehr Aufmerksamkeit und Respekt zu bekommen. Denn nur wenn der Wähler merkt, dass er mit seiner Stimme was verändern kann, geht er auch in ein Wahllokal und kreuzt die zugehörige Partei zu seinem favorisiertem Wahlprogramm an.
Geben sich die Partein gar keine Mühe?
Doch, genau das tun sie. Denn auch in Berlin hat man mittlerweile erkannt, dass die Jugend die Deutsche Zukunft sein wird und hier viele “verschenkte” Wähler sitzen. Aus diesem Grund hat sich die Politik erstmals in so genannte Web-Communities gewagt. Am besten sieht man den Versuch die Jugend anzusprechen auf StudiVZ. Hier können die Mitglieder seit neustem Profile der Parteien favorisieren und der ganzen Welt zeigen, dass sie wählen gehen. So versucht die Regierung die Barriere zwischen der jungen Generation und der Politik aufzuheben.
Das ganze sieht dann so aus:

Ich bin also gegen diese Wahlpflicht, obwohl ich gerne wählen gehe und mich auch mit der aktuellen Politik in unserem Land beschäftige. Was denkt ihr darüber? Wahlpflicht oder nicht?




am 10. Juni 2009 @ 1:09
Nicht ganz zum Beitrag passend:
Den Verbraucherschützern wird diese neue Option bei StudiVZ sehr interessieren. Denn nun werden wichtige Eigenschaften einer deutschen Wahl eingeschränkt. Denn nach dem GG hat eine Wahl auch geheim zu sein.
Doch mit Studi kann man nun einsehen, welche Partei der Kumpel wohl wählen wird.
Ohwei
am 10. Juni 2009 @ 1:15
Warum eigentlich keine Wahlpflicht? So wäre wenigstens endlich mal was los in Deutschland!
Es geht doch nicht, dass nur 25% der Deutschen irgendwas entscheiden…
am 10. Juni 2009 @ 23:22
also ganz ehrlich… das ist keine demokratie hier in deutschland. über eine wahlpflicht müsste abgestimmt werden
und da wäre die wahlbeteiligung wohl auch gering
am 11. Juni 2009 @ 20:21
Ich war wählen, doch im nachhinein hab ich es teilweise bereut. Zum einen fühlte ich mich nicht genug informiert, obwohl ich den Wahl-O-Mat besuchte und einige Artikel zur Europawahl gelesen hatte.
Anna hat recht mit der “pseudo” Demokratie hier in Deutschland.
am 16. Juni 2009 @ 0:36
“Wenn ich Sprüche höre wie: “Ich wähle die Biertrinkerpartei, weil es dann eine Freibier-Party gibt”, könnte ich ausrasten.”
Ach komm, nur weil du kein Bier trinkst.
Habe eine ähnliche Meinung. Was bringen mir tolle Wahlplakate mit den Aufschriften “Stark in Europa – CDU” etc.? Da weiß ich nicht, was angepreiste Partei durchsetzen möchte. Wahlprogramme müssen eindeutiger in den Medien vorgestellt werden, dann weiß Bürger auch, was er wählen will.
am 20. Juni 2009 @ 19:32
Ich bin definitiv auch gegen die Wahlpflicht. Trotzdem finde ich es auch irgendwie lustig mir vorzustellen, wie Wahlmuffel, die dann um das Bußgeld zu sparen, zur Wahl gehen, und alle ungültige Wahlzettel abgeben. Schlimm wäre aber, wenn die einfach nur irgendwo ein Kreuzchen machen würden und dann auf einmal irgendwelche Randparteien ganz groß werden würden, weil ja jeder denken könnte “mit einem Kreuzchen dort kann ich schon nix schlimmes anrichten”… oh weh